Meal Prep liegt voll im Trend, und das hat seine Gründe. Wer am Sonntag ein paar Stunden in der Küche verbringt, spart sich unter der Woche das tägliche Gekoche und hat trotzdem was Anständiges auf dem Teller. Soweit die Theorie. In stressigen Wochen wähle ich Option 2, denn lieber esse ich vorgekochtes Essen als schon wieder nur Brot, wie eine Food-Bloggerin treffend schreibt. Allerdings gibt es da einen Haken, über den viele stolpern: Nicht jedes Gemüse eignet sich fürs Vorkochen. Manche Sorten verlieren dabei nämlich so gut wie alle ihre wertvollen Inhaltsstoffe.
Das Problem liegt auf der Hand – oder besser gesagt: in der Physik und Chemie. Das wasserlösliche Vitamin C wird durch den Sauerstoff der Luft und durch Wärme zerstört. Die Vitamine A, B2 und B6 zerfallen unter dem Einfluss von Licht. Beim Meal Prep kommen gleich mehrere ungünstige Faktoren zusammen: Das Gemüse wird gekocht, dann gelagert, wieder aufgewärmt – und bei jedem Schritt gehen weitere Nährstoffe flöten.
Warum manche Gemüse beim Vorkochen kapitulieren
Die Sache mit den Nährstoffverlusten ist komplizierter, als man denkt. Bei jedem weiteren Erwärmen gehen Vitamine verloren. Das heißt konkret: Erst beim Kochen, dann beim Aufwärmen – da bleibt nicht mehr viel übrig von den ursprünglich enthaltenen Vitaminen und Mineralstoffen. Besonders hart trifft es die wasserlöslichen Vitamine wie Vitamin C und die B-Vitamine, die regelrecht aus dem Gemüse herausgespült werden.
Aber halt – bevor jetzt alle in Panik verfallen: Einige Nährstoffe werden beim Kochen von Gemüse tatsächlich bioverfügbarer, da das Kochen hilft, die Nährstoffe aus den Zellwänden freizusetzen. Es ist also nicht alles schwarz-weiß. Trotzdem gibt es bestimmte Gemüsesorten, bei denen das Vorkochen einfach keinen Sinn macht – weil sie ihre wichtigsten Nährstoffe dabei komplett einbüßen.
Spannend ist dabei, dass bei Raumtemperatur Obst und Gemüse pro Tag bis zu 50 Prozent ihrer wertvollen Inhaltsstoffe verlieren können. Das bedeutet: Schon die Lagerung nach dem Kochen setzt den Vitaminen ordentlich zu. Kein Wunder, dass vorgekochtes Gemüse oft fad schmeckt und sich anfühlt, als würde man Pappe kauen.
Spinat: Der Klassiker unter den Meal-Prep-Versagern
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Spinat. Das grüne Blattgemüse ist ein echter Vitamin-C-Bomben – solange es frisch ist. Beim Kochen und anschließenden Lagern wird daraus aber schnell ein nährstoffarmer Matsch. Noch schlimmer wird's, wenn der Spinat mehrfach aufgewärmt wird. Dann kann man ihn gleich durch Grünkohl aus der Dose ersetzen – der Nährstoffgehalt ist dann etwa auf dem gleichen Niveau.
Das liegt daran, dass Spinat extrem viel Wasser enthält und die Vitamine beim Kochen regelrecht herausgespült werden. Beim Kochen von Brokkoli geht 65 Prozent der Vitamine verloren – und beim Spinat sieht's nicht besser aus. Wer Spinat meal-preppen will, sollte ihn lieber roh einpacken und erst kurz vor dem Essen dazugeben. Klingt komisch, funktioniert aber prima in Wraps oder als Salat-Basis.
Ein kleiner Tipp aus der Praxis: Tiefgefrorener Spinat ist oft vitaminreicher als der frische aus dem Supermarkt, der schon tagelang herumgelegen hat. Aber auch den sollte man nicht vorkochen und dann tagelang lagern.
Brokkoli: Grünes Gold, das schnell seinen Wert verliert
Brokkoli ist ein echtes Superfood – wenn man ihn richtig behandelt. Leider gehört Vorkochen nicht dazu. Die grünen Röschen enthalten zwar jede Menge Vitamin C, Folsäure und sekundäre Pflanzenstoffe, aber die sind alle ziemlich hitze- und lagerempfindlich. Beim klassischen Meal Prep, wo der Brokkoli erst gekocht, dann gelagert und später wieder aufgewärmt wird, bleibt davon nicht mehr viel übrig.
Das Gemeine daran: Brokkoli wird beim Vorkochen nicht nur nährstoffarm, sondern auch noch richtig unappetitlich. Die schöne grüne Farbe verschwindet, stattdessen wird er gelblich-grau und riecht leicht nach Kohl – nicht gerade das, was man sich fürs Mittagessen wünscht. Noch schonender als die Zubereitung im Kochtopf oder Wok ist es, Gemüse auf einem Siebeinsatz im heißen Dampf zu garen. Aber auch das hilft nichts, wenn das Gemüse anschließend tagelang gelagert wird.
Besser ist es, Brokkoli roh vorzubereiten – also waschen, in Röschen teilen und portionsweise einfrieren. Dann kann man ihn bei Bedarf schnell dampfgaren oder in der Pfanne anbraten. Das dauert maximal fünf Minuten und schmeckt hundertmal besser als die vorgekochte Variante.
Paprika: Vitamin-C-Bombe wird zur Enttäuschung
Paprika sind wahre Vitamin-C-Schleudern – eine rote Paprika enthält mehr Vitamin C als eine Orange. Dumm nur, dass dieses Vitamin extrem hitzeempfindlich ist. Beim Kochen und anschließenden Aufwärmen geht der Großteil davon verloren. Was übrig bleibt, ist eine weiche, geschmacklose Masse, die an Babybrei erinnert.
Das ist besonders ärgerlich, weil Paprika in vielen Meal-Prep-Rezepten verwendet wird – in Currys, Pfannengerichten oder Aufläufen. Dabei wäre es viel sinnvoller, sie roh zu verwenden oder erst ganz zum Schluss dazuzugeben. Rohe Paprikastreifen halten sich problemlos ein paar Tage im Kühlschrank und behalten alle ihre Nährstoffe.
Ein weiterer Punkt: Paprika werden durch das Vorkochen nicht nur nährstoffarm, sondern auch matschig. Die knackige Textur, die so viel zum Genuss beiträgt, ist dann komplett weg. Mal ehrlich – wer möchte schon weiche Paprika essen, wenn er auch knackige haben kann?
Zucchini: Wasserreicher Weichling beim Meal Prep
Zucchini bestehen zu über 90 Prozent aus Wasser – das macht sie zwar kalorienarm, aber auch anfällig fürs Vorkochen. Die wenigen Vitamine, die sie enthalten, sind hauptsächlich wasserlöslich und verschwinden beim Kochen größtenteils ins Kochwasser. Beim anschließenden Lagern und Aufwärmen wird die Zucchini dann zu einem geschmacklosen, matschigen Etwas.
Das Problem verstärkt sich noch, weil Zucchini beim Kochen viel Wasser abgeben. In vorgekochten Gerichten schwimmt dann alles in einer wässrigen Soße herum – nicht gerade appetitlich. Noch dazu verliert die Zucchini ihre angenehme Bissfestigkeit komplett.
Deutlich cleverer ist es, Zucchini roh zu hobeln oder in dünne Scheiben zu schneiden und sie erst kurz vor dem Essen dazuzugeben. So bleiben Nährstoffe und Textur erhalten. Oder man brät sie ganz kurz an – das reicht völlig aus und dauert keine zwei Minuten.
Tomaten: Paradox beim Vorkochen
Bei Tomaten wird's kompliziert. Einerseits enthalten sie viel Vitamin C, das beim Kochen und Lagern verloren geht. Andererseits wird das Lycopin – ein wichtiger sekundärer Pflanzenstoff – durch Erhitzen erst richtig verfügbar. Das ist das Dilemma bei Tomaten und Meal Prep.
Das eigentliche Problem liegt aber woanders: Vorgekochte Tomaten werden oft zu einem breiigen Matsch, der weder appetitlich aussieht noch besonders gut schmeckt. Außerdem geben sie beim Lagern viel Wasser ab, was andere Zutaten aufweicht. Wer schon mal eine Meal-Prep-Box mit vorgekochten Tomaten geöffnet hat, weiß, wovon ich rede – da schwimmt alles in einer rötlichen Brühe.
Besser funktioniert es, Tomaten frisch zu verwenden oder sie nur kurz zu erhitzen. Cherry-Tomaten kann man zum Beispiel halbieren und erst beim Aufwärmen dazugeben – so bleiben sie fest und frisch.
Clever meal-preppen ohne Nährstoffverlust
Jetzt könnte man denken: Dann lass ich das Meal Prep halt bleiben. Muss aber nicht sein. Es gibt durchaus Strategien, wie man vorbereiten kann, ohne dass die Nährstoffe komplett flöten gehen. Das Zauberwort heißt: selektives Vorkochen.
Statt alles zusammen zu kochen und dann tagelang zu lagern, kann man verschiedene Komponenten getrennt vorbereiten. Getreide wie Reis oder Quinoa lassen sich problemlos vorkochen – die verlieren kaum Nährstoffe und schmecken auch nach ein paar Tagen noch gut. Hülsenfrüchte funktionieren ebenfalls prima. Auch Wurzelgemüse wie Karotten oder Süßkartoffeln überstehen das Vorkochen relativ unbeschadet.
Das Gemüse niemals warm halten, sonst gehen zu viele hitzeempfindliche Vitamine verloren. Besser ist es, das Essen sofort abkühlen zu lassen. Wer meal-prept, sollte die Gerichte also schnell runterkühlen und erst beim Essen wieder erwärmen – nicht stundenlang warm halten.
Ein anderer Ansatz: Die empfindlichen Gemüse separat lagern und erst beim Aufwärmen dazugeben. Spinat, Paprika oder Zucchini können roh oder nur kurz angebraten als separate Komponente vorbereitet werden. Beim Zusammenstellen der Mahlzeit kommen sie dann frisch dazu.