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Schnittlauch richtig ernten: So bleibt er ewig grün und wächst wie verrückt

Schluss mit welkem Schnittlauch nach zwei Tagen! Mit der richtigen Schnitttechnik wächst das grüne Kraut monatelang nach. Hier erfährst du, wie's geht.

Zutaten & Wissen  |  Lesezeit: ca. 9 Min.
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Zwischenablage

Schnittlauch ist so ein Ding – eigentlich total pflegeleicht, aber trotzdem schaffen es viele, ihn binnen kürzester Zeit hinzurichten. Dabei liegt's meist gar nicht am grünen Daumen oder der Pflege, sondern schlicht und einfach an der falschen Schnitttechnik. Wer einmal kapiert hat, wie Schnittlauch tickt, der hat jahrelang Freude an den würzigen Halmen.

Das Geheimnis liegt nämlich darin, dass Schnittlauch nicht irgendein Kraut ist, sondern zu den Zwiebelgewächsen gehört. Seine Halme wachsen direkt aus kleinen Zwiebeln heraus, die sich unter der Erde verstecken. Schneidet man falsch, schadet man diesen Zwiebeln – und dann war's das mit dem Nachwachsen.

Warum der richtige Schnitt so wichtig ist

Viele greifen zur Schere und knipsen einfach drauflos. Mal hier ein bisschen, mal da ein bisschen – hauptsache grün für's Butterbrot. Das Problem dabei: Schnittlauch braucht seine Halme komplett, um Photosynthese zu betreiben und Energie zu sammeln. Kürzt man sie nur teilweise, bleiben braune, vertrocknete Spitzen zurück, die nicht nur unschön aussehen, sondern auch der Pflanze schaden.

Die Halme sind quasi die Solarpaneele der Pflanze. Beschädigt man sie, kann der Schnittlauch nicht mehr richtig "arbeiten" und wird schwächer. Das merkt man dann daran, dass die neuen Triebe dünner werden oder ganz ausbleiben. Manchmal kippt die ganze Pflanze um – besonders ärgerlich, wenn man sie gerade erst gekauft hat.

Richtig geschnitten hingegen treibt Schnittlauch immer wieder aus. Manche Hobbygärtner ernten jahrelang von derselben Pflanze, ohne dass sie an Kraft verliert. Im Gegenteil: Regelmäßiger Schnitt regt sogar das Wachstum an.

Die goldene Regel: Immer komplett abschneiden

Hier kommt die wichtigste Regel überhaupt: Schnittlauch wird immer komplett abgeschnitten, nie nur gekürzt. Das bedeutet, du schneidest die Halme etwa einen Zentimeter über dem Boden ab – nicht mittendrin, nicht an der Spitze, sondern ganz unten. So, als würdest du Gras mähen.

Das fühlt sich anfangs brutal an, keine Frage. Man denkt sich: "Meine arme Pflanze!" Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Du gibst dem Schnittlauch damit das Signal: "Los, leg wieder los!" Innerhalb weniger Tage sprießen frische, grüne Halme aus dem Boden. Oft sogar mehr als vorher.

Diese Methode funktioniert, weil die Wachstumspunkte des Schnittlauchs ganz unten sitzen, direkt über den Zwiebeln. Schneidest du dort ab, bleiben diese Punkte intakt und können neue Halme produzieren. Schneidest du hingegen irgendwo mittendrin, störst du diesen natürlichen Prozess.

Das richtige Werkzeug macht den Unterschied

Eine scharfe Schere ist das A und O beim Schnittlauch schneiden. Stumpfe Klingen quetschen die Halme, statt sie sauber zu durchtrennen. Das führt zu Verletzungen an der Pflanze, durch die Krankheitserreger eindringen können. Außerdem sehen gequetschte Schnittstellen einfach unschön aus.

Am besten eignet sich eine kleine Küchenschere oder eine spezielle Kräuterschere. Die sollte regelmäßig gereinigt werden – am besten nach jeder Benutzung kurz mit warmem Wasser abspülen und abtrocknen. Wer auf Nummer sicher gehen will, desinfiziert die Klinge gelegentlich mit Alkohol.

Manche schwören auch auf scharfe Messer. Das geht prinzipiell auch, ist aber umständlicher, weil man die Halme zusammenhalten muss. Mit der Schere geht's einfach flotter und präziser. Wichtig ist nur: Das Werkzeug muss wirklich scharf sein. Wer merkt, dass er die Halme eher reißt als schneidet, sollte nachschärfen oder eine neue Schere kaufen.

Der perfekte Zeitpunkt für die Ernte

Grundsätzlich kann man Schnittlauch das ganze Jahr über ernten – vorausgesetzt, er wächst aktiv. Die beste Zeit ist aber morgens, wenn die Halme noch voller Saft stehen. Dann schmecken sie am intensivsten und halten sich länger frisch.

Spannend ist dabei, dass Schnittlauch im Frühjahr am kräftigsten wächst. Da kann man alle zwei bis drei Wochen einen kompletten Schnitt machen. Im Sommer verlangsamt sich das Wachstum etwas, besonders wenn's sehr heiß wird. Dann reicht es, alle vier bis sechs Wochen zu ernten.

Ein Tipp für alle, die ihren Schnittlauch auf der Fensterbank ziehen: Die Pflanze braucht zwischendurch auch mal eine Pause. Wer ständig einzelne Halme abzupft, schwächt sie unnötig. Besser ist es, gezielt zu ernten und der Pflanze dann Zeit zum Erholen zu geben.

Wie viel kann man auf einmal ernten?

Hier scheiden sich die Geister. Manche sagen, man sollte nie mehr als ein Drittel der Halme auf einmal schneiden. Andere ernten radikal alles ab. Beide Methoden haben ihre Berechtigung, je nachdem, was man vorhat.

Der Drittel-Ansatz ist schonender für die Pflanze. Man schneidet etwa ein Drittel der Halme komplett ab und lässt den Rest stehen. Das hat den Vorteil, dass die Pflanze weiterhin Photosynthese betreiben kann und nicht so stark geschwächt wird. Besonders bei jungen Pflanzen oder im Winter ist diese Methode empfehlenswert.

Der Radikal-Schnitt hingegen ist effizienter, wenn man viel Schnittlauch auf einmal braucht. Die komplette Pflanze wird etwa einen Zentimeter über dem Boden abgeschnitten. Das sieht erstmal dramatisch aus, aber gesunde, etablierte Pflanzen verkraften das problemlos. Nach etwa einer Woche sprießen überall neue Triebe.

Welche Methode man wählt, hängt auch davon ab, wie oft man ernten will. Wer regelmäßig kleine Mengen braucht, fährt mit dem Drittel-Schnitt besser. Wer lieber einmal im Monat eine große Portion erntet, kann radikal vorgehen.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Der klassische Anfängerfehler ist das Abzupfen einzelner Halme. Das sieht so harmlos aus – nur mal schnell ein paar Röllchen für den Quark. Aber genau das ist der Anfang vom Ende. Gezupfte Halme können nicht nachwachsen, weil der Wachstumspunkt meist mit abgerissen wird.

Ein anderer Fehler ist das Schneiden mit stumpfen Werkzeugen. Gequetschte Halme werden braun, fangen an zu faulen und können die ganze Pflanze anstecken. Das ist besonders ärgerlich bei Topfpflanzen, wo sich Fäulnis schnell ausbreitet.

Viele schneiden auch zu hoch ab. Zwei, drei Zentimeter über dem Boden sieht zwar ordentlicher aus, aber die Stümpfe trocknen aus und werden braun. Das schwächt die Pflanze und sieht unschön aus. Besser ist es, wirklich tief zu schneiden – auch wenn's erstmal radikal aussieht.

Übrigens: Schnittlauch, der blüht, schmeckt oft etwas bitter. Die hübschen lila Blüten sind zwar essbar und sehen toll aus, aber wer milden Geschmack will, sollte die Blütenknospen frühzeitig abschneiden. Dann steckt die Pflanze ihre Energie in neue Halme statt in die Blüte.

So bleibt geschnittener Schnittlauch länger frisch

Frisch geschnittener Schnittlauch hält sich im Kühlschrank etwa eine Woche. Am besten wickelt man ihn locker in ein feuchtes Küchentuch und legt ihn ins Gemüsefach. Plastikbeutel sind eher kontraproduktiv – da wird das Kraut schnell matschig.

Wer größere Mengen erntet, kann Schnittlauch auch portionsweise einfrieren. Dazu die Halme klein schneiden und in Eiswürfelformen füllen. Mit etwas Wasser aufgießen und einfrieren. Die Schnittlauch-Eiswürfel halten monatelang und können direkt ins Essen gegeben werden.

Eine andere Methode ist das Trocknen. Allerdings verliert Schnittlauch dabei viel von seinem Aroma. Wer trotzdem trocknen will, sollte die Halme bei niedriger Temperatur im Backofen oder Dörrgerät trocknen. An der Luft wird er meist nur braun und schmeckt nach nichts mehr.

Schnittlauch im Topf: Besonderheiten bei der Zimmerkultur

Wer seinen Schnittlauch auf der Fensterbank zieht, muss ein paar Besonderheiten beachten. Topfpflanzen sind generell empfindlicher als ihre Kollegen im Garten. Sie haben weniger Platz für ihre Wurzeln und können nicht so viele Nährstoffe speichern.

Deshalb sollte man bei Topf-Schnittlauch vorsichtiger ernten. Der Drittel-Schnitt ist hier meist die bessere Wahl als der Radikal-Schnitt. Außerdem braucht die Pflanze nach jeder Ernte ein paar Tage Erholung, bevor man wieder schneidet.

Wichtig ist auch der Standort. Schnittlauch mag es hell, aber nicht zu heiß. Ein Südfenster im Hochsommer kann zu viel des Guten sein. Dann lieber einen Platz mit Morgensonne wählen oder mittags etwas beschatten.

Gießen ist so eine Sache für sich. Schnittlauch mag es feucht, aber nicht nass. Staunässe ist der sichere Tod für die kleinen Zwiebeln. Am besten gießt man regelmäßig kleine Mengen und lässt die Erde zwischendurch leicht antrocknen.

Wann Schnittlauch nicht geschnitten werden sollte

Es gibt tatsächlich Zeiten, in denen man den Schnittlauch in Ruhe lassen sollte. Direkt nach dem Pflanzen oder Umtopfen braucht er erstmal Zeit, um sich zu etablieren. Mindestens zwei Wochen sollte man warten, bevor man zum ersten Mal erntet.

Auch kranke oder geschwächte Pflanzen sollten erstmal wieder zu Kräften kommen. Wenn die Halme dünn und blass sind oder die Pflanze insgesamt mickrig aussieht, ist Ernten kontraproduktiv. Dann lieber düngen, richtig gießen und abwarten, bis sie sich erholt hat.

Im Winter wächst Schnittlauch langsamer oder stellt das Wachstum ganz ein. Wer seine Pflanzen draußen hat, sollte sie in der kalten Jahreszeit nicht beernten. Die Halme dienen dann als Kälteschutz für die Zwiebeln. Erst im Frühjahr, wenn neue Triebe kommen, kann wieder geerntet werden.

Bei Zimmerpflanzen ist das anders – die wachsen auch im Winter weiter, wenn sie genug Licht bekommen. Aber auch hier ist Zurückhaltung angesagt. Lieber seltener und weniger ernten als die Pflanze zu überfordern.

Tipps für eine reiche Ernte

Wer viel Schnittlauch ernten will, sollte auf die richtige Pflege achten. Regelmäßiges Düngen mit einem milden Flüssigdünger sorgt für kräftiges Wachstum. Alle zwei Wochen eine schwache Düngerlösung reicht völlig aus – Schnittlauch ist kein Starkzehrer.

Auch das Teilen der Pflanzen bringt mehr Ertrag. Alle zwei bis drei Jahre werden die Zwiebelnester so dicht, dass sie sich gegenseitig behindern. Dann ist es Zeit, die Pflanze aus dem Topf zu nehmen, vorsichtig zu teilen und in frische Erde zu setzen. Aus einer Pflanze werden so schnell zwei oder drei neue.

Der richtige Standort macht ebenfalls viel aus. Schnittlauch mag durchlässigen Boden und viel Licht. Im Halbschatten wächst er zwar auch, aber nicht so üppig. Wer die Wahl hat, sollte den sonnigsten Platz wählen – aber mit Schutz vor der heißen Mittagssonne.

Zuletzt noch ein Geheimtipp: Wer seinen Schnittlauch regelmäßig schneidet, bekommt nicht nur mehr Ertrag, sondern auch geschmackvollere Halme. Junge Triebe sind zarter und milder als alte, die schon wochenlang stehen. Also: Mut zum Schnitt – es lohnt sich!

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