Wer hätte gedacht, dass die kleinen weißen Blümchen, die praktisch überall sprießen, tatsächlich auf den Teller gehören? Gänseblümchen sind nicht nur essbar, sondern auch richtig lecker – wenn man weiß, wie man sie zubereitet. Das Bellis perennis, so der botanische Name, wächst vom Frühjahr bis in den Herbst hinein und ist damit eine der zuverlässigsten Wildpflanzen überhaupt.
Geschmacklich überraschen Gänseblümchen mit einer angenehmen Mischung aus mild-nussigen und leicht bitteren Noten. Die Blüten schmecken zarter als die Blätter, während letztere eine dezente Schärfe mitbringen, die an Rucola erinnert. Nix Dramatisches, aber durchaus charakteristisch genug, um Gerichte interessanter zu machen.
Sammeln will gelernt sein
Bevor du losziehst und alles abzupfst, was weiß blüht: Gänseblümchen sollten nur dort gesammelt werden, wo keine Hunde ihr Geschäft verrichten und keine Autos ihre Abgase hinterlassen. Parks in der Stadtmitte sind also eher suboptimal. Besser sind Wiesen am Ortsrand, der eigene Garten oder – falls vorhanden – die Oma mit dem ungespritzten Rasen.
Erkennbar sind echte Gänseblümchen an ihren charakteristischen weißen Blütenblättern mit dem gelben Zentrum. Die Blätter wachsen in einer Rosette direkt aus dem Boden und haben eine spatelige Form mit leicht gezähntem Rand. Verwechslungsgefahr mit giftigen Pflanzen besteht praktisch nicht – Gänseblümchen sind ziemlich unverwechselbar.
Sammeln solltest du am besten am Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist, aber die Sonne noch nicht zu stark brennt. Die Blüten schließen sich nämlich bei zu viel Hitze oder Regen. Ein kleiner Korb oder eine Papiertüte reichen völlig aus – Plastikbeutel lassen die zarten Blümchen schnell matschig werden.
Vorbereitung: Sauber machen ohne Stress
Zu Hause angekommen, geht's ans Putzen. Gänseblümchen sind zum Glück nicht besonders schmutzanfällig, trotzdem sollten sie kurz unter fließendem Wasser abgespült werden. Kleine Käferchen oder Erdkrümel verstecken sich gerne zwischen den Blütenblättern. Die Blätter können etwas intensiver gewaschen werden, da sie robuster sind als die filigranen Blüten.
Anschließend alles vorsichtig trocken tupfen oder in einer Salatschleuder schleudern. Wichtig dabei: Nicht zu energisch vorgehen, sonst hast du statt ganzer Blüten nur noch Blütenbrei. Die Stiele können übrigens auch mitgegessen werden, besonders bei jungen Pflanzen sind sie noch zart genug.
Roh genießen: Salate und kalte Gerichte
Am einfachsten lassen sich Gänseblümchen roh verwenden. In gemischten Salaten sorgen sie für optische Highlights und einen interessanten Geschmack. Besonders gut harmonieren sie mit milden Blattsalaten wie Feldsalat oder Kopfsalat. Zu kräftige Kombinationspartner wie Rucola oder Endivie können das feine Aroma der Blümchen übertönen.
Ein echter Hingucker ist ein Salat aus Gänseblümchenblättern, gerösteten Walnüssen und einem Dressing aus Honig und Zitrone. Die leichte Bitterkeit der Blätter passt perfekt zur Süße des Honigs, während die Walnüsse für den nötigen Biss sorgen. Auch auf Butterbroten machen sich die kleinen Blüten gut – einfach über den Frischkäse streuen und genießen.
Für Kräuterquark oder -butter eignen sich sowohl Blüten als auch Blätter. Die Blätter vorher fein hacken, die Blüten können ganz bleiben. Das sieht nicht nur hübsch aus, sondern schmeckt auch richtig frisch und würzig.
Gekocht und gegart: Warme Zubereitungsarten
Gekocht werden Gänseblümchen ähnlich wie Spinat verwendet, allerdings sind sie viel milder im Geschmack. In Suppen geben sie den letzten Schliff – einfach kurz vor dem Servieren unterrühren, damit sie nicht zerfallen. Besonders in Kartoffelsuppen oder Gemüsebrühen entfalten sie ihr volles Aroma.
In Omeletts oder Rühreiern sorgen gehackte Gänseblümchenblätter für eine interessante Geschmacksnote. Die Blüten werden am besten erst zum Schluss dazugegeben oder als Garnitur verwendet. Beim Braten verlieren sie nämlich schnell ihre Form und werden unansehnlich.
Spannend ist auch die Verwendung in Risottos oder Pasta-Gerichten. Hier passen die Blätter besonders gut zu cremigen Saucen auf Basis von Sahne oder Käse. Der leicht herbe Geschmack balanciert die Reichhaltigkeit perfekt aus.
Konservieren und haltbar machen
Frische Gänseblümchen halten sich im Kühlschrank etwa zwei bis drei Tage. Länger haltbar werden sie durch verschiedene Konservierungsmethoden. Trocknen funktioniert am besten bei niedrigen Temperaturen – entweder an der Luft oder im Backofen bei maximal 40 Grad. Getrocknete Blüten und Blätter eignen sich hervorragend für Teemischungen oder als Gewürz.
Einfrieren ist auch möglich, allerdings verlieren die Gänseblümchen dabei ihre Textur. Für gekochte Gerichte oder Suppen ist das aber kein Problem. Einfach gewaschen und getrocknet in Gefrierbeutel packen und einfrieren.
Eine besonders edle Variante ist Gänseblümchenessig oder -öl. Dafür werden die sauberen Blüten in hochwertiges Olivenöl oder hellen Essig eingelegt und etwa zwei Wochen ziehen gelassen. Das Ergebnis ist ein aromatisches Würzmittel, das jedem Salat das gewisse Etwas verleiht.
Inhaltsstoffe: Was steckt drin?
Gänseblümchen sind nicht nur lecker, sondern auch richtig gesund. Sie enthalten verschiedene Vitamine, darunter Vitamin C und A, sowie Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium. Besonders interessant sind die enthaltenen Saponine, die eine entzündungshemmende Wirkung haben sollen.
Auch ätherische Öle und Bitterstoffe sind enthalten, die verdauungsfördernd wirken können. Die Konzentration ist allerdings nicht so hoch, dass man von einer medizinischen Wirkung sprechen könnte – es schadet aber definitiv nicht, regelmäßig ein paar Gänseblümchen zu knabbern.
Vorsicht bei Allergien
Wer auf Korbblütler allergisch reagiert, sollte bei Gänseblümchen vorsichtig sein. Sie gehören zur gleichen Pflanzenfamilie wie Kamille, Ringelblume oder Arnika. Bei bekannten Allergien gegen diese Pflanzen lieber erst mal eine kleine Menge probieren oder ganz verzichten.
Auch während der Schwangerschaft ist Zurückhaltung angebracht, da die Saponine in größeren Mengen wehenfördernd wirken können. Ein paar Blümchen im Salat sind aber völlig unbedenklich.
Kreative Rezeptideen
Gänseblümchen-Pesto ist ein echter Geheimtipp: Blätter und Blüten mit Pinienkernen, Parmesan und Olivenöl pürieren – fertig ist eine außergewöhnliche Pasta-Sauce. Für süße Gerichte eignen sich die Blüten kandiert als Tortendekoration oder in Pfannkuchenteig eingebacken.
Auch als Zutat in selbstgemachtem Eis machen sich die Blüten gut. Einfach in die Eismasse einrühren oder als Garnitur verwenden. Der milde Geschmack passt besonders gut zu Vanille- oder Zitroneneis.
Für besondere Anlässe können die Blüten auch in Eiswürfel eingefroren werden. Das sieht in Getränken spektakulär aus und verleiht jedem Sommerfest das gewisse Etwas. Funktioniert übrigens auch mit Sekt oder Prosecco.
Gänseblümchen für Kinder
Kinder sind oft begeistert von essbaren Blüten – sie finden es spannend, dass man Blumen essen kann. Gänseblümchen eignen sich perfekt als Einstieg in die Welt der Wildkräuter, da sie mild schmecken und ungiftig sind. Gemeinsames Sammeln und Zubereiten kann ein schönes Erlebnis sein und nebenbei noch etwas über die Natur lehren.
Besonders beliebt bei den Kleinen sind Gänseblümchen-Sandwiches oder -Butter. Die bunten Blüten machen das Essen interessanter und sorgen dafür, dass auch gemüsemüde Kinder mal was Grünes probieren.
Das ganze Jahr über verfügbar
Einer der größten Vorteile von Gänseblümchen ist ihre lange Saison. Von März bis Oktober, manchmal sogar bis in den November hinein, findet man die kleinen Blüten auf Wiesen und Rasenflächen. Selbst im Winter können an milden Tagen vereinzelt Blümchen auftauchen.
Das macht sie zu einer der zuverlässigsten Wildpflanzen überhaupt. Während andere essbare Blüten nur wenige Wochen verfügbar sind, kann man sich bei Gänseblümchen fast das ganze Jahr über bedienen. Ein echter Pluspunkt für alle, die regelmäßig wilde Zutaten in ihrer Küche verwenden möchten.